Zusammenbringen – Vision oder Illusion?

15. August 2017 Lesezeit: Plehn

Ausgehend vom heutigen Zustand der Erde verknüpft die Architektin und Baubiologin Anke Plehn wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer Zukunftsvision, die ermutigt über diebisherige Weltordnung hinauszudenken und Lust macht, den eigenen Beitrag zu einem friedlichen Wandel zu leisten. Hier ein kleiner Auszug aus ihren Gedanken mit dem Wunsch etwas zu verändern.

Wie oft habe ich mich in meiner beruflichen Praxis gefragt, warum gerade in der Baubranche so oft gestritten wird, warum wir Landschaften immer weiter ausräumen, Städte immer weiter verdichten, Häuser in Folie und dicke Dämmung einpacken, Baustoffe verwenden, die Schadstoffe ausgasen, … wir uns letztlich ein Umfeld bauen, dass unserer Gesundheit abträglich ist und unseren angeborenen Bedürfnissen widerspricht. Ich habe mich gefragt, weshalb berücksichtigen Architektur und Bau nicht das, was Menschen wirklich brauchen – zum Leben, ja Überleben?

Sind wir schon so weit entfernt von unserem inneren Wesen, dass wir unsere naturgegebenen Bedürfnisse gar nicht mehr kennen? Sind wir so auf Geld, Macht und Wachstum fixiert, dass wir gar nicht merken, dass uns das Wesentlichste – die Beziehungen – unwichtig geworden ist? Warum fällt es uns so schwer, mit der Zerstörung der Natur, mit Kriegen, Ausbeutung und den alltäglichen Streitereien aufzuhören? Ich bin überzeugt, keiner will das, im Gegenteil, wir alle leiden darunter. Ist es also eine Illusion zu glauben, dass es ein glückliches, friedvolles Miteinander aller in einer intakten Natur geben kann?

Nein! Intuitiv wissen wir alle, dass wir allein nicht leben können, dass wir zusammengehören, ja alle eins sind! Unsere Allverbundenheit ist uns nur nicht bewusst! Wir haben gelernt, ein mit Intelligenz ausgestattetes, über der Natur stehendes, nach außen abgegrenztes, körperliches, zufällig geborenes und wieder sterbendes Wesen zu sein und können mit Seele und Geist nichts anfangen. Doch gibt es etwa keine Liebe, keinen Schmerz, keine Verzweiflung, nur weil wir sie nicht messen und zählen können? Die Leugnung unserer fühlenden inneren Natur und damit unserer Zugehörigkeit zu allem, was uns umgibt und die Weigerung der Anerkennung unseres Geistes (Spirit) machen es uns schwer, die Konsequenzen unseres Denkens und Handelns zu erkennen und die Naturzerstörungen zu stoppen.

Leben wir in dem Bewusstsein, mit allem verbunden zu sein, verändert sich unsere Welt. Die Zeiten globaler Auseinandersetzungen, Abschottungen und egozentrischer Alleingänge gehören der Vergangenheit an. Wir können uns unsere Sehnsucht als Ausdruck der uns allen angeborenen, unerfüllten Bedürfnisse nach Frieden, Harmonie, Glück und Liebe stillen, ohne anderen oder der Natur zu schaden.

Doch wie erreichen wir im ganz alltäglichen Leben die Bewusstheit, die wir brauchen, um in Frieden und einem harmonischen liebevollen Miteinander zu leben? Einfach nur das bisherige Weltbild, das sich als untauglich zum Überleben herausgestellt hat, ändern? Vom mechanistisch-biochemischen Menschen zum allverbundenen, fühlenden, geistig-seelischen, sich seiner selbst bewussten Wesen? Es klingt so einfach. Doch es ist eine Herausforderung, für jeden Einzelnen und die Voraussetzung für ein glückliches Leben. Wo fangen wir mit dem Weltenwandel an?

bring-together! Bringen wir zusammen, was nie getrennt war: Herz und Verstand, Körper, Geist und Seele. Dann gelingen auch die Beziehungen im außen wieder, zwischen Mensch und Natur, zwischen Menschen untereinander. Besinnen wir uns auf unsere innere Verbindung, lernen unseren Körper wieder fühlen, hören auf unseren inneren Arzt und übernehmen für uns selbst die Verantwortung für unser Wohlergehen, indem wir uns von unserem inneren Schweinehund, unserem Ego, nicht mehr dirigieren lassen. Das Ego hat sich als Ersatz in uns ausgebreitet, als uns im frühesten Kindesalter gesagt wurde, dass Gefühle beim erfolgreichen Vorankommen im Leben nur hinderlich sind. Nun fühlen wir nicht mehr, wann ein Raum uns schadet, wir der Natur schaden, etwas pestizidbelastetes oder zu viel essen oder wenn wir etwas sagen oder tun, was wir im Nachhinein bereuen.

Ändern wir uns, lernen wir wieder auf uns selbst zu hören, ändert sich die Welt. Ein friedlicher Wandel wird möglich, das Unvorstellbare, die Vision von einer glücklichen Welt in einer intakten Natur wird vorstellbar und wird sich realisieren – durch jeden Einzelnen. Der Weg dahin mag individuell beginnen, führen wird er jeden in eine Gemeinschaft, die er selbst mit kreiert.

Autoren

Anke Plehn

Die Autorin, Mediatorin, Perma-Architektin und Baubiologin aus Leipzig begleitet Menschen als Kommunikations- und Beziehungstrainerin, betrachtet Bauen als Selbstfindungsprozess betreut und berät Wohnprojekte und kooperiert in einem Netzwerk visionärer Planer und Handwerker.

www.ankeplehn.de und www.perma-architektur.de

Karin Demming

Die Wahl-Leipzigerin kommt ursprünglich aus dem sozialen Bereich und wechselte später in die Immobilienwirtschaft. Ihr Fokus liegt hauptsächlich auf den Grundbedürfnissen der Menschen und deren Lebensraum. Aus den Erfahrungen ihrer beruflichen Stationen entstand die Idee für bring-together.

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