Gemilie – Die Königin der Gemeinschaftlichkeit

22. April 2017 Lesezeit:

Es ist Zeit, den Vorhang zu lüften und ganz tief in den Kaninchenbau hinein zu blicken. Hier weit unter der Oberfläche der Normalität gebiert sich die Gemilie – still und leise – im aktiven Ausprobieren, Scheitern, wieder Ausprobieren, wieder Scheitern und ein weiteres Mal Ausprobieren. Denn nur eine gelebte Theorie führt zur Meisterschaft.

Fünf mutige Erwachsene mit zwei Kindern stellten sich im Laufe von zwei Jahren diesem Thema. Zwei haben die fordernde Phase der Annäherung nach eineinhalb Jahren erfüllt. Drei befinden sich noch darin. Die Annäherungsphase soll mindestens ein, maximal zwei Jahre dauern. In dieser Zeit wohnt und wirkt man bereits gemeinsam – befindet sich also auf der WWG-Ebene, jedoch mit dem Anspruch der Ganzheit.

Die Struktur, also der Orientierungspunkt am Horizont, auf den man die Segel setzt, steht. Der Weg dorthin ergibt sich jedoch aus dem Moment. Die Regel wünscht mindestens einen intensiven Prozesstag in der Woche und einen gemeinsamen Veranstaltungstag – das gemeinsame Wirken also. Daraus ergeben sich dann emotionale sowie organisatorische Prozesse, die wiederum ihren Zoll fordern und zu weiteren Meetings führen. Befindlichkeiten haben stets Vorrang. 

Der hohe Anspruch einer Synergie fordert zu Beginn der Prozesse hohen emotionalen Aufwand und eine Entschlossenheit, die persönlichen Grenzen spielerisch zu überwinden. Mit zunehmender Zeit entsteht ein Grundvertrauen in die Werte der Gemilie und Ängste wie Befürchtungen wandeln sich in Zuversicht und Vertrauen.

Die Gemilie ist eine Entscheidung für den Rest dieses Lebens.

Für den Rest dieses Lebens wollen die Gemilien-Mitglieder füreinander einstehen, sich fördern und stützen, miteinander wirken und teilen. Im Kern dieser Verbindung steht der Entschluss, einander stets zugewandt zu bleiben, hinzusehen und im Gemilien-Kreis den Herausforderungen, insbesondere den persönlichen, inneren, zu begegnen – so lange im Prozess zu bleiben, bis Synergie entsteht. Ein tiefes Einverständnis begleitet stets alle gemeinsamen Schritte und Entscheidungen. 

In der Praxis lässt sich das am ehesten an der Transformation der Moralvorstellungen Einzelner sehen. Das Überwinden von hemmender Moral hin zur Definition einer Potential entfaltenden und Bewusstsein erweiternden Moral ist der Weg. Regional, kulturell und geschichtszeitlich bedingt, wird dieser Prozess stets eine eigene Form annehmen und in der Entwicklung bleiben.

Eine Gemilie ist man nach innen und nach außen.

Mit "nach außen" meint es, dass Gemilie-Sein auch eine gesellschaftliche Verantwortung zu tragen bedeutet. Sich zu zeigen in den Errungenschaften, auf den Prüfstand zu gehen, für Dritte erfahrbar zu sein. In der Übernahme bürgerlicher Verantwortung, in der Verwirklichung praktischer Projekte, in der Transparenz der eigenen Entwicklung äußert sich diese Geisteshaltung. In Seminaren, Workshops, Werkstätten sowie Gastaufenthalten ermöglicht die erste Gemilie sowie die Ersten, die ihr folgen, interessierten Menschen einen Einblick in die Prozesse und vermittelt Grundwissen für die Gründung eigener gemiliärer Gemeinschaften.

Der Weg der Gemilie ist spirituell. Erwecken eines hohen Bewusstseins ist dabei wegbegleitend. Der Lohn für diese "Arbeit" ist ein Gefühl des Eingebettetseins in eine tragende Gemeinschaft, das Gefühl wo zuzugehören, die Wahrnehmung des Gefördertwerdens in der Entfaltung eigenen Potentials zur eigenen Gunst – gleichwohl zugunsten der Gemilie und der Gesellschaft.

Mit der Gemilie ist das so, wie mit dem Verliebtsein. Du kannst Bücher darüber lesen, Abhandlungen studieren. Du kannst es Dir von nah und fern ansehen – und doch weißt Du erst, was Verliebtsein bedeutet, wenn Du es erfahren hast. 

Autoren

DerPHILANTHROPIANIER

Der Architekt und Inhaber einer Berliner Tango-Schule Markus Peter Ibrom schreibt unter verschiedenen Pseudonymen. Er initiiert und betreut Wohn- und WirkensGemeinschaften seit gut einem Dutzend Jahre. Als Visionär setzt er sich praktisch für die Verwirklichung des Wahlverwandtschaftsgedankens ein. www.IFEGG.de

Karin Demming

Als leidenschaftliches Kommunikationstalent ist die Wahl-Leipzigerin in vielen Netzwerken ein gern gesehener Gast. Die Ideengeberin kommt ursprünglich aus dem sozialen Bereich.

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